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Übertraining: Wenn Körper und Psyche plötzlich streiken …

Ein Erfahrungsbericht von Inkospor X-TREME Athletin Sina-Christin Greis

AutorSina Greis
Datum28. Juli 2017 10:45:55 CEST
Übertraining: Wenn Körper und Psyche plötzlich streiken …

26.November 2017….eine erfolgreiche Saison geht mit der Wahl zur Miss Universum zu Ende. Jetzt ist die Zeit für eine Pause da…Zwei Wochen Trainingspause sieht mein Coach nach einer Saison vor. Pause, von allem- keine Trainingseinheiten und keine Ernährungspläne. Aber diesmal war alles anders, denn bereits am 29.November und am 6. Dezember standen OP- Termine in meinem Kalender. Ich sah ein, dass es ein deutlich ungünstiger Zeitpunkt war, dachte mir aber, ich könne es perfekt mit meiner Pausenzeit verbinden. 6 Wochen KEIN Sport hieß es nach der letzten OP. Die Aussage gleichte in meinem Kopf einer Katastrophe und weckte zugleich, wenig vorbildlich, den Ehrgeiz in mir. Nach einer Woche stieg ich, ärztlicher verbotener Weise, wieder täglich auf den Crosser. Meine Ernährung passte ich meinem niedrigen Pensum an. Wann ich wieder ins Krafttraining einstieg, kann ich gar nicht genau sagen. Es war ein schleichender Prozeß, der aber weit vor der 6 Wochenfrist begann. Und was soll ich sagen? Es funktionierte. Ich blieb in Form und habe mir selber bewiesen, dass meine Regeneration scheinbar bombastisch ist.

 

„Wenn ich schon einmal so gut dabei bin, kann ich auch im Mai startet“

 

Gesagt, getan - ich startete non-stop in die Vorbereitung der Frühjahrssaison. Eine lange Diät brauchte ich nicht, denn ich bin ja nicht großartig aus der Form gewesen. Die Diät ging leicht von der Hand. Ich weiß nicht direkt, ob ich mich einfach an das Diäten gewöhnt habe, oder ob mein Körper sich einfach seinem Schicksal ergeben hat. Vermutlich hat er einfach mitgespielt und das Spiel eine Woche vor den Meisterschaften beendet, denn da merkte ich erstmals, dass irgendwas nicht stimmt. Meine Form war super, aber das entwässern wurde zäh und müssig. Kreislaufprobleme, Schmerzen und Demotivation machten sich breit. Nichts desto trotz verlief die Saison gut und ich konnte meinen Körper nochmal davon überzeugen, dass es schön ist auf der Bühne zu stehen.

  Foto: Marc Schumacher 

Die obligatorischen 2 Wochen Pause nach der Saison: „Brauch ich nicht, denn mittlerweile bin ich erfahren und weiß was meinem Körper gut tut. Mein neues Ziel? So gut in Form bleiben wie möglich!“ Nach einem Tag der Sünden ging es sofort wieder in einen geregelten Ablauf. Ich verordnete mir Cardiotraining und einen Ernährungsplan, den ich selbst in der Diät blöd gefunden hätte. 

 

„Und dann verlor ich die Objektivität zu mir selber“

 

Ich war von Grund auf unzufrieden. Mir gelang es trotz harter Regeln nicht, mir selber gerecht zu werden. Also … verordnete ich mir mehr von allem. Rein theoretisch hätte ich wissen müssen, dass all das, was ich gerade tat, Kontraproduktiv war. Aber manchmal möchte man sich gar nicht mehr an das erinnern, was man gelernt hat, sondern einfach das ausprobieren, was einem in diesem Moment logisch erscheint. Meine Gelenke begannen zu schmerzen, die Haare wurden spröde, die Haut unrein und derb. Das schlimmste war aber: „Ich verlor die Lust am Training.“ Die Euphorie zu meinem Sport war erloschen. Ich wollte kein Fitnessstudio mehr betreten und mich auch nicht mehr mit meiner Ernährung befassen. Es war alles nur noch standardisiert und an gewohnte Abläufe geknüpft. Mir einzugestehen, dass ich eine Pause brauche, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht denkbar. Ich zog weiter Tag für Tag völlig lustlos meine Runden. Meine Kräfte schwanden, die Wehwehchen wurden umfangreicher und schlafen konnte ich auch nicht mehr. 

 

 

Irgendwann kam der Tag - an dem ich einfach zuhause blieb. 

 

Ich wollte mich nur kurz setzen, schlief ein….und schlief und schlief und schlief … Meine Intuition als ich wach wurde: „Ich höre auf! Nie wieder werde ich mich bewegen.“

Diese Meinung vertrat ich exakt eine Woche. Ich boykottierte das Fitnessstudio und machte mir keinerlei Gedanken über meine Ernährung. Ich lebte einfach von einem Tag in den anderen. Im Laufe der Woche setzte übrigens die verloren gegangene Vernunft wieder ein, die mir aufzeigte, dass ich nicht nur in den letzten Monaten keine Pause gemacht habe, sondern seit Beginn meiner Wettkampfphasen gerne auf Regeneration verzichtete. Vorbildlich ist das nicht gerade. Vor allem wenn man eigentlich weiß, wie wichtig Regeneration im Verhältnis zum Sport doch ist.

 

Nach zwei Wochen strikter Pause begann ich wieder zu Trainieren. Meine Schmerzen waren weg, Haare und Haut regeneriert und meine Euphorie wieder vorhanden. Ich begann das Training völlig ohne Plan, trainierte einfach das, wonach mir gerade war und brachte meine Ernährung wieder auf Vordermann.

Die Optimierung meiner Ernährung begann übrigens damit, die verbannten Kohlenhydrate wieder anzuheben. 

 

Jetzt, einige Wochen nach dem Ereignis, stehe ich wieder voll im Training und kann endlich an den Schwachstellen meines Körpers arbeiten. Ich bin voller Motivation und mein Training ist wieder ein Teil von mir.

 

Mein persönliches Resümee? Ehrgeiz und Disziplin sind wichtig, sollten aber nicht über unsere Gesundheit bestimmen. Für mich war das Gefühl im völligen Übertraining zu sein eine Lehre, die ich nie wieder so erfahren möchte. Warnsignale des Körpers erkennen ist keine Kunst, man muss sie sich nur eingestehen und auf sie hören. Falscher Ehrgeiz ist hier fehl am Platz.