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Body Positivity

​Schlank zu sein oder zu werden, ist ein Ziel, das die meisten tief verinnerlicht haben. Nicht selten stecken gesellschaftliche Zwänge hinter dieser Form der Selbstoptimierung. Wäre es nicht besser, sich von ihnen zu befreien? Die „Body Positivity“-Bewegung fordert genau das. Doch warum ist das so?

AutorSina Greis
Datum16. März 2020 12:23:45 CET
Body Positivity

Hinterfragen von Schönheitsidealen


„Der Blick auf den Wandel unserer Schönheitsideale im Laufe der Geschichte zeigt, dass sich diese den jeweiligen gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen". Das Zitat stammt aus dem Trendreport des Hamburger Medizintechnikunternehmens seca, der untersucht, was gesellschaftliche und gesundheitliche Entwicklungen für die Fitnessszene bedeuten. Eines der Topthemen ist dabei die Neubewertung bestimmter körperlicher Erscheinungsformen. Insbesondere sollte darüber nachgedacht werden, ob es sinnvoll ist, das weit verbreitete Phänomen Übergewicht per se als unerwünscht und negativ zu betrachten. Somit ist auch Schlanksein als einseitig propagiertes Schönheitsideal zu hinterfragen, zumal offensichtlich viele Menschen mit ein paar Pfund mehr auf der Waage kein Problem haben. Hier setzt auch die Bewegung „Body Positivity“ an. Sie versucht, Menschen davon zu überzeugen, dass ihr Körper okay ist, auch wenn er nicht dem von der Gesellschaft diktierten Normen entspricht. Denn das Körperbild, das die Modewelt vermittelt, stimmt oft nicht mit der Selbstwahrnehmung überein – die meisten Menschen sehen eben nicht so aus wie ein Model. Die Bewegung fordert, jeden Körper zu akzeptieren, unabhängig von seinem Aussehen. Damit stellt sie die vorherrschende Vorstellung in Frage, dass nur schön und gesund ist, wer schlank ist. Die Menge der Befürworter der „Body Positivity“-Bewegung wächst im Übrigen kontinuierlich. Allein der Instagram-Hashtag #bodypositivity wurde bereits fast 3,9 Millionen Mal verwendet. 

Body Positivity und Gesundheit


Trotz oder gerade wegen allen Wissens über seine Negativfolgen muss das Thema „Übergewicht“ differenziert betrachtet werden, so der Trendreport. Zu viele Kilos würden in unserer Gesellschaft oft mit Attributen wie „ungesund“ und „krank“ belegt. Umgekehrt wähnen sich Schlanke und Normalgewichtige in der scheinbaren Sicherheit, gesund zu sein. Jedoch weist auch jeder fünfte Schlanke ein erhöhtes Risiko auf, an kardiovaskulären Krankheiten wie Diabetes oder Schlaganfall zu leiden. „Je mehr Übergewichtige es gibt, desto genauer müssen wir hinsehen“, sagt die promovierte Oecotrophologin Heike Niemeier aus Hamburg. Man müsse aufpassen, nicht alle Übergewichtigen in den Topf der „kranken, dicken Risikopatienten“ zu werfen. „Damit vorverurteilen wir die Übergewichtigen und lassen gleichzeitig möglicherweise risikobehaftete Schlanke durchs Raster fallen. Es wird immer wichtiger, dass wir den Ernährungszustand von Menschen ganzheitlicher betrachten. Es reicht nicht aus, sie auf eine Waage zu stellen, den BMI zu bestimmen und dann in die Kategorien ‚schlank = gesund’ und ‚übergewichtig = krank’ einzuordnen. Das Wissen um gesunde Dicke, kranke Schlanke und die „Body Positivity"-Bewegung zeigen uns ganz deutlich: Es kommt nicht auf die Menge der Zellen an, sondern auf deren Gesundheit“. 

Body Positivity und Fitness


Insbesondere im Segment der gesundheitlich fokussierten Fitness sollten weniger die Optik und das Gewicht eine Rolle spielen. „Für den Gesundheits- und Ernährungszustand ist vielmehr entscheidend, wie viel wertvolle, aktive Muskelmasse im Verhältnis zur Fettmasse vorhanden ist. Auf dieser Basis lässt sich eine viel genauere Aussage über das Erkrankungsrisiko treffen“, so Niemeier. Fitnessanbieter, die entsprechend agieren, rücken also Gesundheit statt Aussehen in den Vordergrund. So können sie auf Basis qualitativer Gesundheitsdaten das Training wesentlich individueller und dadurch effizienter gestalten und die Motivation und Präventionsbemühungen ihrer Mitglieder fördern. Viele Fitnessstudios mit einer gesundheitlichen Positionierung wüssten um die Mehrdimensionalität der Gewichtsthematik und gingen erste Schritte: Mit Kursen, die gesundheitsbewusstes Verhalten fördern, Vermessungsaktionen, die weniger den BMI im Blick haben, sondern eine gesunde Körperzusammensetzung und mit individuellen, ganzheitlichen Trainingskonzepten, die nicht auf den schnellen Abnehmerfolg fokussieren, sondern einen gesunden Körper zum Ziel haben. Niemeier: „Bei fortschrittlichen Fitnessstudios lösen schon heute Parameter wie Fettverteilung, Muskelstärke, Beweglichkeit und Fitnesslevel den BMI ab. Ihnen kommt eine zentrale Rolle bei der notwendigen Umsetzung des Präventionsgedankens zu.“